Geschichte

... kann die Lebenden nicht lieben!

Seit Juni 1947 gehört das Meedland-Gelände der Bremischen Evangelischen Kirche. Damals standen einige Holzbaracken auf dem Grundstück, die Zelte der dänischen Besatzungstruppen waren gerade abgebaut, der Auf- und Ausbau zur heutigen Freizeit- und Tagungsstätte begann.

Aber die Vorgeschichte ist trübe: im August 1941 wurden sowjetische Kriegsgefangene auf die Insel gebracht, um an dem Luftwaffenstützpunkt zu bauen sowie andere Arbeiten wie Straßenbau u.ä. zu leisten. Sie waren auf dem Meedland im Bereich zwischen dem heutigen Vogtpad und dem Polderweg entlang der Gartenstraße untergebracht. Unterkunft, Verpflegung und medizinische Betreuung waren, wie in allen Lagern, speziell für die sowjetischen Gefangenen äußerst schlecht und sie waren unmenschlicher Behandlung unterworfen.

Innerhalb kurzer Zeit starben mehr als ein Drittel von ihnen - an Krankheiten, aber noch mehr durch Hunger, härteste Arbeit und den Terror der Wachmannschaften.

Die Nazipropaganda hatte aus den Sowjetsoldaten "Unter- menschen" gemacht, die es zu vernichten galt. Genau wie in den anderen Lagern wurde auch in Langeoog brutal mit ihnen umgegangen. Lediglich von einem der Unglücklichen, Nikolaj Kurilow, weiß man mehr als Namen und Todesdatum. Mehr als 40 Jahre dauerte es, bis seine Witwe durch verschiedene glückliche Umstände erfuhr, wo ihr Mann gestorben und begraben war.

Hinter dem Friedhof für die Langeooger und den Gräbern für die Baltendeutschen liegt der sogenannte "Russenfriedhof", früher versteckt, nur durch einen schmalen Weg zu erreichen, heute über ein Hinweisschild und einen breiten Zugang leicht zu finden. 113 Gefangene bekamen hier ihre letzte Ruhestätte - verscharrt in einem Massengrab, fremd und vergessen. Sechs Steinsäulen tragen die Namen der Toten. An einer der Säulen ist das Bild von Nikolaj Kurilow befestigt. Seine Frau brachte es mit, als sie in den achtziger Jahren zum ersten Mal das Grab ihres Mannes besuchen konnte.

Die Bremische Evangelische Kirche und Haus Meedland stellen sich der Verantwortung, die ihnen die Vergangenheit, das Gelände, auferlegt hat. So wurde eine Dokumentation erstellt, die sich mit der Geschichte des Lagers befasst. Sie heißt "Todesursache: allgemeine Körperschwäche" und ist im Haus Meedland sowie über den Buchhandel erhältlich. Weitere Maßnahmen sind geplant.

Ergänzende Informationen zum Lager und der Geschichte der sowjetischen Gefangenen erhalten Sie im Haus Meedland. Darüber hinaus informiert die "Stiftung niedersächsische Gedenkstätten" in Celle unter anderen über die sowjetischen Kriegsgefangenen. Von den etwa 5 Millionen gefangenen Rotarmisten starben mehr als drei Millionen in deutschen Lagern!
Auch mehr als 50 Jahre nach Kriegsende ist dieses Thema ein Tabu. Aber nur, wenn dieses Tabu durchbrochen wird, wenn die Erinnerung an die furchtbaren Geschehnisse wach gehalten wird, ist Zukunft möglich, denn:

Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung!